Zylinderkopfdichtung defekt?

  • Hallo zusammen,


    ich habe seit ein paar Wochen bei meinem 2,5l TD (VM-Motor) das Problem, dass er Unmengen an Wasser braucht (ca. 3l auf 100km). Das müsste doch normalerweise eine defekte Zylinderkopfdichtung sein, oder? Sprich das Wasser wird verbrannt. Die Frage ist nur, warum ich keinen Auspuffqualm habe. Ausserdem läuft der Motor absolut rund. Der Kühlkreislauf ist auch dicht, ich konnte zumindest nicht erkennen, dass es irgendwo raustropft.


    Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.


    Sollte es die Dichtung sein, dann würde ich gerne den Motor selbst zerlegen und die Köpfe von einem Instandsetzer überholen lassen. Den Zusammenbau würde ich dann wieder von der Werkstadt meines Vertrauens durchführen lassen. Die Frage ist nur, welches Werkzeug zum Zerlegen benötigt wird. Gibts vielleicht irgendwo eine Anleitung?



    Viele Grüße,


    Benjamin

  • Hi Banjamin,


    das Leidigen an den VM's ist, das die dazu neigen das die Köpfe reissen! Ist er vorher mal richtig heiß geworden? Wenn nicht, könntest die mit Kopfdichtung und überprüfen der Köpfe auskommen. Lass sie auf jeden Fall abdrücken, da sonst die Gefahr besteht, das ein Harrriss nicht erkannt wird. Bei Zerlegen gibt es schon ein paar Spezialitäten. Z.B. der Abbau der Krümmer ist nicht ohne. Da hab ich mit Spiegel arbeiten müssen damit alle Schrauben sehe. Für die Köpfe selber brauchste Vielzahnnüsse "lang". Größe 12 und 14. Auch baim Lösen der Kopfschrauben nicht gleich ganz rausdrehen. Immer gleichmäßig Stufenweise lösen. Also die Schrauben reihum immer nur ca eine halbe Umdrehung öffnen und dann die nächste genauso bis sie fast lose sind. !!!!Aufpassen welche Unterlage an welcher Stelle verbaut war und wie die Lage war. Sonst bekommst du Probleme beim Aufsetzen vom Ventieldeckel!!! Bei der(den) Kopdichtung(en) gibt es einzelne(a' 30Teuro/Stk Freundschaftspreis) oder bei Ford(gleiche Motor) gibt es auch eine ganze Kopfdichtung: Ca 50Teureo bei ebay.

  • Servus,


    ich habe den Motor bereits am WE zerlegt und auch die Köpfe bereits untersuchen lassen. Nach dem Abdrücken stellte sich heraus, dass 3 Zylinderköpfe undicht sind (der eine mehr der andere weniger) der vierte wurde ja erst vor einem halben Jahr ausgetauscht und ist noch wie neu.


    Na ja, das mit dem Krümmer und dem Saugrohr ist wirklich ein ziemliches Gefriemel. Hab einfach alle 4 Köpfe komplett mit Turbo usw. rausgehoben und erst heraussen zerlegt (fand ich einfacher).
    Am WE kommen jetzt 3 neue Köpfe von der Firma Kindt Motoreninstandsetzung (das sind die für 199€ bei ebay) rein.
    Habe mich jetzt entschieden, auch den Zusammenbau selbst zu machen.


    Hoffe, dass dann mal wieder ein paar km Ruhe ist.


    Eine Frage noch:


    Weiß eigentlich jemand ein Anzugsdrehmoment für die Kipphebelböcke?

  • Moin,


    bei mir ist es jetzt auch so weit, Kopfdichtung muß neu - jedesmal, wenn die Kiste abgestellt wird, macht sie 'nen "See" unter sich, d.h eigentlich zwei , rechts Öl, Mitte Wasser. Sonst ist alles OK, wenn er warm ist, ist er auch dicht, allerdings wird die Inkontinenz auch langsam schlimmer....


    Hab heute erst mal zwei Stunden lang das ganze Geraffel außenrum abgeschraubt, dauert ja, bis man zum Kern der Sache vorgedrungen ist.


    An der AGR-Leitung habe ich dann für heute mal Schluß gemacht, die Überwurfmutter bewegt sich kein Stück - ist das ggf. Linksgewinde?


    Wenn nicht, muß ich auch erstmal die "Komplettabnahme" versuchen, , damit ich endlich weiß, was für eine Kopfdichtung ich habe, und die dann bestellen kann. Auf so einen Quatsch können auch nur Italiener kommen!


    Gibt es noch was, worauf man achten sollte?


    Grüße


    El

  • Moin Thomas,


    Also bei dem Diesel, da hab ich leider keine Ahnung und kann auch nichts Fachliches von meiner Seite dazu beitragen aber.
    Friedel58 hatte auch die Kopfdichtungen erneuern müsse und da zu hatte er auch mal was geschrieben oder mir in einem Gespräch vielleicht mal erwähnt. Dass die Dehnschrauben unbedingt erneuert werden müssen, ich meine er hat bei seinem die versucht ein zweites mal zu verwenden was aber dann wohl schief ging.
    Des Weiteren musste er die Köpfe plan schleifen lassen, mehr fällt mir zu dem Thema leider nicht mehr ein.
    Wenn ich noch hinweise oder den Beitrag finde stelle ich seine Tips gleich ein.


    Gruß Gerrit

  • Moin,


    so, zur allgemeinen Info sowie zur Mahnung kommender Generationen hier mal ein paar Bilder.


    Nach etwa 2 Stunden Schrauben hat man schon eine Menge abgebaut, ohne seinem Ziel wesentlich näher gekommen zu sein:



    Ölquelle:



    Wasserquelle:



    Nächste Hürde dann die AGR-Leitung - das Ding geht nicht vom Krümmer ab und ist offenbar zöllig. Einen billigen 21-Schlüssel habe ich mir passend geflext - keine Chance. Ansaug- und Auspuffkrümmer lassen sich auch am AGR-Ventil trennen, das wäre nicht das Problem, aber das Sch...-Wärmeableitblech muß weg, sonst kommt man nicht an die Krümmerschrauben:



    Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, den Motor gemäß Werkstattbuch zu zerlegen und nicht die Köpfe mit allem Anbaugeraffel samt Turbolader rauszuheben - dann hat man die Probleme nur beim Zusammenbau. Nach ewiger, erfolgloser Rumprobiererei habe ich dann zur Blechschere gegriffen und das Wärmeleitblech mit einer Aussparung für die AGR-Leitung versehen - das war im eingebauten Zustand natürlich nicht ganz einfach!


    Die nächsten Stunden gingen dann drauf mit dem Lösen der Krümmerschrauben - Motto der Digicam: "Ich sehe was, was Du nicht siehst!"



    Man sollte ein gute 1/4-zöllige (!) Knarre mit Kardan, zwei Verlängerungen und langen Nüssen besitzen sowie einen stark gekröpften 12/13er Ring und einen 12/13er Gelenksteckschlüssel, sonst braucht man nicht anzufangen!


    Erster Schritt: Wasserbrücke weg, damit man was sieht. Wenn man dann den Auspuff am Turboflansch löst, nachdem man alle Ansaugkrümmerschrauben los hat, kriegt man den Ansaugkrümmer schon mal dazwischen rausgezirkelt - so kommt man dann auch noch an die letzten beiden Schrauben vom Auspuffkrümmer ran.


    Ich hab früher mal ein paar Jahre am Starfighter geschraubt, ich kann Muttern mit zwei Fingern in den unmöglichsten Positionen los- und festschrauben - und zwar so fest, daß andere Werkzeug brauchen, um das wieder aufzukriegen, ich kann im Kopfstand auf dem Schleudersitz Drahtsicherungen an den Windscreen-Bolzen anbringen, die besser aussehen als das, was manche auf dem Übungsbrett zustande bringen - aber so geflucht habe ich echt schon lange nicht mehr!


    Dennoch, mühselig ernährt sich das Eichhörnchen, irgendwann hat man den ganzen Mist ab. Getreu dem Werkstatthandbuch soll man ja nun den Auspuffkrümmer samt Turbolader nach hinten wegziehen können, aber Hustekuchen:



    Der Wapu-Anschluß steht im Weg, das wollte ich nicht auch noch abschrauben, hatte schon genug über dieses dämliche Rohr geflucht, das auch nur im Weg, aber nicht auszubauen war:



    Bäcker und Friseure werden bei Chrysler Ingenieure! Die Schrauben vom ersten Kopf hatte ich schon mal gelöst in der stillen Hoffnung, auch ohne Ausbau der Einspritzdüsen weiterzukommen - keine Chance. Also habe ich mir den Klann-Doppel-SK-Steckschlüssel KL-0511-2 besorgt, laut Handbuch eine 28er Spezialnuss für des Voyis Einspritzdüsen. Somit ein paar Tage Zwangspause, die ich mit Anlasser und Drehmomentstütze ausgefüllt habe - dazu später mehr.


    Die Kleinteile-Kiste hatte sich inzwischen auch gefüllt:



    Heute kam die Nuss nun an, beim Aufsetzen auf die Bosch-Düsen fühlte sich das sehr "luftig" an, ich möchte mal behaupten, daß eine 27er Nuss an dieser Stelle auch paßt. Man muß trotzdem noch verdammt auf die Rücklaufleitungsanschlüsse anpassen, damit man die nicht verbiegt.


    Die Einspritzdüsen habe ich zu den Kipphebelböcken in den Ventildeckel gelegt, die ZK-Schrauben an der jeweiligen Stelle in die Wasserbrücke. Dann ließen sich die Köpfe abnehmen:



    Beim Abschrauben fiel das rechte hintere Druckstück vom ersten Zylinder plötzlich auseinander, aha, da wird manches klarer:



    Alle Köpfe haben sich im Bereich der Vorkammer etwas aufgestellt, hier der schlimmste:



    Da bis jetzt keine Probleme aufgetreten sind, denke ich mal, das ist OK, kann man so lassen oder was sagen hier die Profis dazu?


    Dann der Schock beim genaueren Hingucken:



    Der Kolben ist ja wohl eindeutig im A.....



    Da war das dann nach dem Saubermachen nur noch ein "Add-on":



    Soll ich die angefressene Büchse ignorieren und auf die neue, einteilige Kopfdichtung vertrauen? Ich weiß nicht so recht, was meint ihr?


    Wenn ich eine durchgehende Kopfdichtung nehme, muß ich angeblich die beiden Seitenteile kürzen, weil die neue Dichtung da rechts und links übersteht?? Kann ich noch nicht so richtig glauben. Die Dinger sind doch eh kürzer, max. müßte man in diesem Fall nicht die Druckstücke links und rechts auch umdrehen? Hat hier jemand Erfahrung zu?


    Kolben-/Zylindersets gibt es in der Bucht für 150 Euro. Nur Kolben habe ich noch nicht gefunden, hat jemand einen Tipp? Oder sollte ich mir das Set für die beiden Zylinder aufteilen, Kolben hier, Büchse da? Die Büchse vom ersten Zylinder sieht so schlecht nicht aus, noch hält der Kolben wohl. Die Kohle dafür war jetzt jedenfalls nicht eingeplant, von der Arbeit rede ich mal nicht.....


    A propos Arbeit - ich habe bislang nirgendwo eine Ölwannendichtung gesehen - gibt es die nicht? Im Handbuch stand was von Silikon draufspritzen...


    Würde mich freuen, wenn die Praktiker hier mir zu dem einen oder anderen Punkt was erzählen könnten.


    Beste Grüße


    El

  • Moin,


    heute habe ich dann den Kolben aus seiner Behausung geholt.


    Wie ein jeder weiß, darf man den Motor nicht mehr drehen, wenn die Köpfe runter sind, weil die Gefahr besteht, daß die nassen Büchsen sonst nach oben rausgeschoben werden können.


    Wenn man einen Kolben durch die Dieselborke am oberen Rand drücken will, ist diese Gefahr natürlich auch gegeben. Vermittels einer Anleihe bei der Haustechnik hatte ich deshalb zunächst 2 Büchsenhalter angefertigt. Dann stellte sich heraus, daß ich die Kurbelwelle doch noch ein Stückchen weiterdrhen muß, um an die Pleuellagerschrauben rankommen zu können. Also hab ich noch drei weitere Büchsenhalter gemacht. Hier nun die GWS-Büchsenhalter System El Ringo in Aktion:



    Das Druckstück vom General Motör (oben) ist übrigens etwas anders geformt als die unsrigen (unten):



    So, und hier hängt die Sausocke nun, nachdem ich sie ans Tageslicht befördert habe:



    Der Riß geht runter bis zum ersten Kolbenring, ist aber noch nicht durch. Die Büchse ist OK, also nur einen neuen Kolben organisieren. Das obere Lagerblech ist aber auch fertig, die machen wir auch gleich neu.



    Grüße


    El

  • Moin,


    so, langes Wochenende, Ersatzteile sind auch da, schrauben wir doch mal wieder an unserem all-family-Unimog-Sport:




    Der neue Kolben ist ein Markenprodukt von KolbenSchmidt (glänzt wie eine Bordelltür) . Erworben habe ich ihn über Fa. Motorenmertel http://www.motorenmertel.de . Der Chef Walter Mertel hat noch ein Ohr für solche Typen wie mich, die nur einen Kolben brauchen, aber 150 Fragen dazu haben, kann man eigentlich nur weiterempfehlen! Und wer für seinen Voyi im Raum Köln eine AT-Maschine oder eine Motoraufbereitung sucht, ist hier auch nicht verkehrt. Pleuellager sind auch von hier.


    Einbau war kein Problem, Sicherungsring raus, Kolbenbolzen raus. Sicherungsring in den neuen rein, Kolbenbolzen schön eingeölt durchgedrückt, neuen Sicherungsring, fertich.


    Auch sonst keine Highlights, Kolbenringband habe ich immer noch keins, also mußten wie in seelig vergangenen XS-400 und C-Kadett-Tagen mal wieder 2 Schlauchschellen herhalten, paar zarte Klopfer mit dem Mottek-Stiel - und weg war er.


    Am Pleuellager dann zum ersten Mal die Drehwinkelgeschichte beim Anziehen. vom Gefühl reißt da die Schraube jeden Moment ab, kommt trotz neu angeschaffter Meßuhr irgendwie nicht so pralle!


    Für das weitere Vorgehen war auch die Anwesenheit des Kopfdichtungssastzes von ls-motor.de aus Potsdam erforderlich:




    Nachdem wir nun den Motor stückchenweise auseindergebaut haben, montieren wir ihn jetzt dafür in Brocken. Nach der Behandlung mit den Benzinlappen getränkt mit gutem, verbleitem Nornalbenzin aus den 80ern strahlt auch hier wieder alles wieder in neuem Glanz;



    Den Turbo werd ich auch noch mal putzen




    Wenn der Anlasser drin ist, heben wir dann alles mal am Stück rein!"



    Grüße


    El

  • Moin,


    mein Voyi läuft inzwischen wieder, das Rein- und Rausheben der vier Köpfe am Stück kann ich eigentlich nur weiterempfehlen. Wenn man alles Werkzeug und alle Teile hat, schafft man die Aktion gut in 3 bis 4 Tagen.


    Problem sind eigentlich die Krümmerschrauben, an die muß man nach dem Anziehen der Kopfschrauben noch zum Anziehen rankommen, von daher war ich ganz froh, zu wissen, wie es bei jeder Schraube geht.


    Wegen der durchgehenden Ford-Stahldichtung mußte ich die Seitenteile um gut 1,5 mm runterfeilen auf Maß 90 mm und ein paar Hunderstel drunter. Wer das nicht vernünftig gelernt hat, sollte aber die Finger davon lassen und einen Metallbaubetrieb in der Nähe fragen.


    Die Kipphebelböcke habe ich in Ermangelung einer Drehmomentangabe für die Ein-Schrauben-Version mit 65 NM (so wie die Einspritzdüsen) angezogen. denke mal, das ist OK Falls jemand den Wert weiß, kann er ihn ja hier mal reinschreiben.


    A propos Kipphebelböcke: Gerade bei den entlasteten Ventilen ist es offenbar möglich, die Stößelstangen bei der Montage so dämlich unterzuklemmen, das sie anschließend beim Starten rausfliegen - ist mir jedenfalls passiert. Das Geräusch verursacht im ersten Moment eine ziemlich grünliche Gesichtsfarbe.


    Bis denne


    El

  • Moin,


    leider hat den allseits beliebten Bilderhost 1MB.at inzwischen das Zeitliche gesegnet und meine hochgeladenen Fotos vom Zylinderkopfwechsel sind im digitalen Orkus verklappt.


    Ein paar neue Details zu Frostschutzstopfen und Einspritzdüsen gibt es inzwischen auch zu berichten, ich habe mal das ganze Thema samt Bildern hier als PDF zusammengefaßt:


    http://remixshare.com/get.php?file=jzbbgy6g2u


    Grüße


    Thomas